Kein Salat für die Raumstation

Von wegen sterile Labor-Nahrung: Eine ganze Charge Salat aus den Versuchskammern des Projekts Eden ist ungenießbar – Bakterienbefall. Doch das Grünzeug liefert wertvolle Daten für die Bremer Weltraumgärtner.

Das Gemüse muss ins All. Hinter dem Ziel des Projekts Eden steckt eine einfache Rechnung: Wenn die Besatzung der Internationalen Raumstation (ISS) Salat, Gurken und Tomaten anbaut, müssen weniger Lebensmittelvorräte von der Erde hochgeschossen werden. Das spart Gewicht und damit Geld, denn jedes Kilo Nutzlast kostet Treibstoff. „Die ISS wird zur Zeit mehrmals pro Jahr mit Nahrungslieferungen versorgt‟ sagt Ingenieur Paul Zabel. „Wenn wir uns das Gleiche vorstellen bei einer Station auf dem Mars, dann ist das einfach unpraktikabel‟.

7.11.
7. November 2014

Noch ist das Gemüse nicht im All, sondern unter der Erde: Für das Projekt Eden wurde die Werkstatt in der Tiefgarage des Bremer DLR-Standorts zum Labor umgebaut. Hier arbeitet das Team daran, Salate, Gurken und Tomaten weltraumtauglich zu machen.

Die Januar-Ernte von Anneke Höhn war nicht einmal erdtauglich, nach der Analyse wanderten die Salatköpfe direkt in die Tonne. „Bakterienbefall‟, erklärt die Biologie-Studentin.

14.11.
14. November 2014

Dass Höhn den Experimental-Salat nicht probieren konnte, ist kein Verlust: In ihrem achtwöchigen Projekt wollte sie vor allem die optimalen Wachstumsbedingungen ermitteln, nicht an dessen Geschmack arbeiten: „Am Anfang habe ich erstmal geguckt, wie ein Salat am besten auf dem Feld wächst und was Gärtner überhaupt dafür machen‟. Das ist Höhns Spezialgebiet: Landschaftsökologie, „also nach draußen gehen aufs Feld‟.

24.11.
24. November 2014

Von draußen weiß sie, dass der Untergrund, die Lichtbedingungen und die zugeführten Nährstoffe darüber entscheiden, ob am Ende große grüne oder kleine braune Salate geerntet werden. Im Labor gilt dasselbe, nur lassen sich alle Parameter hier beliebig verändern. Um Belichtungsdauer und Untergrund zu optimieren startet Höhn ihr Experiment mit zwei Versuchskammern. 18 Stunden Licht pro Tag in Kammer 1, 20 Stunden in Kammer 2.

Was ist besser? Keine Ahnung – zwei Wochen nach Versuchsbeginn fällt in der 18-Stunden-Kammer die Nährstoffpumpe aus. Natürlich am Wochenende, als niemand die Anlage im Blick hat. Das war’s mit dem Vergleichstest.

1.12.
1. Dezember 2014

Was bleibt, ist die Ermittlung des optimalen Untergrunds. In der verbliebenen Kammer stehen einige der Setzlinge auf Alufolie, andere auf grauem, weißen oder schwarzen Untergrund. Täglich kommt Anneke in den DLR-Keller, um die Salatköpfe zu vermessen und die Anzahl der Blätter zu zählen. „Grau ist momentan unserer Favorit‟ meldet die Studentin nach vier Wochen. Abgeschlagen ist Alufolie: „Hier drehen sich die Blätter nach unten, das wollen wir nicht, dann betreiben sie weniger Photosynthese und haben weniger Stärke‟.

Mittlerweile sind alle Messungen gemacht, die Zelte sind leer und die Salate in der Tonne. Jetzt wertet Höhn die Daten aus. Wie beeinflussen Untergrund und Licht die Größe und das Gewicht der Salatköpfe?

Bis Ende Februar erwarten die Projektleiter eine erste Empfehlung. Grauer oder weißer Untergrund? Steiler oder schräger Lichteinfall? Während Höhn die Analysesoftware laufen lässt, hat in der Tiefgarage ein neues Experiment begonnen. Auf dem Laborkalender steht das “Salat-Duell” zwischen den Studenten David und Alex. Mehr davon in der nächsten Folge.

1.12.14