Steh auf, wenn du Hambot heißt!

Aus dem Iran bringen die Hamburg Bit-Bots zwar einen Pokal mit, doch ihr neuer Torwart-Titan hatte daran leider keinen Anteil – Hambot konnte nicht von alleine aufstehen und war daher für das gesamte Tunier gesperrt. Trotzdem gab er eine gute Figur ab.

Die gute Nachricht zuerst: Der Ausflug in den Iran war erfolgreich – die Bit-Bots landeten auf dem dritten Platz! Die schlechte Nachricht: Hambot, der Torwart-Titan, der sämtliche Bälle aufs eigene Tor hätte halten sollen, hatte daran keinen Anteil. Er saß das gesamte Turnier über auf der Bank. Die Hamburger konnten ihren Neuzugang zwar noch rechtzeitig vor dem Abflug in den Iran zusammenbauen, wirklich platzreif war Hambot aber leider nicht: Der Roboter-Torwart konnte nicht richtig aufstehen. Ein Hardware-Problem. „Wir haben dann schnell einige Teile umgearbeitet und auch im Iran noch ziemlich viel an Hambot rumgeschraubt, konnten das Problem aber nicht lösen. Die Knie beugen nicht genug – und wenn man nicht aufstehen kann, darf man nicht am Spiel teilnehmen, so sind die Regeln“, sagt Teamchef Nils Rokita.

Was den Informatiker etwas tröstet: „Hambot konnte immerhin gut stehen. Und das ist ja auch schon was.“ Tatsächlich ist bereits die reine Standfestigkeit für einen humanoiden Roboter schon eine Leistung, schließlich müssen die Motoren so angesteuert werden, dass weder die Knie wackeln, noch die Hüfte zittert. „Das war eine ganz gute Performance – bis aufs Aufstehen. Wir wurden sogar gefragt, ob man den Roboter kaufen kann“, sagt Nils.

Überzeugt hat noch eine auf den ersten Blick eher unbedeutende Kleinigkeit, die an Hambot neu ist: der stabile Tragegriff. Um an der Knieverletzung in den Spielpausen weiter basteln zu können, mussten die Bit-Bots den Titan ständig zwischen der Spielstätte und dem Hotel hin und her schleppen. Trotz der zwei Kilo mehr auf den Plastikrippen, ging der Transport aber deutlich leichter von der Hand als bei den kleineren Teamkollegen. „Die Darwins haben nur einen labbrigen Tragegurt und der verheddert sich ständig“, sagt Nils.

Aber auf dem Platz ist das nicht ganz so wichtig. Da zählt vor allem Erfahrung und Lernfähigkeit. Und dass die Darwins, das trotz ihres Alters und der damit einhergehenden technischen Wehwehchen immer noch recht gut drauf haben, konnten sie bei den Iran Open mal wieder beweisen. Bei dem Turnier gab es nämlich einige Neuerungen: So rollte erstmals ein weißer Ball übers Spielfeld. Bislang war das Spielgerät mit einem Durchmesser von 13 Zentimetern knallorange und damit recht einfach zu erkennen, „weil es eben der einzig orange Gegenstand auf dem Spielfeld war“, sagt Nils.

Weiß, wie der neue Ball, ist allerdings vieles: sämtliche Spielfeldlinien, Torpfosten, Latte und zum Teil auch die Spieler selbst. Das kann ganz schön verwirren. „Früher haben wir den Ball einfach nach der Farbe auf dem Spielfeld gesucht. Jetzt geht das nicht mehr. Da mussten die Spieler ziemlich nachdenken und haben nicht nur nach dem Ball getreten.“ Auch die Torpfosten oder der Elfmeterpunkt am Boden sahen für die Spieler wie Bälle aus. Und dann treten die kleinen Roboter solange auf der Stelle bis sie hinfallen, wobei sie sich gerne mal die Schulter auskugeln. „Die Hardware hat dabei ganz schön gelitten. So langsam geben die Darwins ihren Geist auf“, sagt Nils.

Unterm Strich hat die digitale Altherrenmannschaft aber dann doch noch eine beachtliche Leistung gezeigt. In der Vorrunde spielten die Hamburger zwei Mal 0 zu 0, zwei Spiele konnten sie knapp mit 1 zu 0 für sich entscheiden. Erst im Halbfinale kassierten die Bit-Bots das erste Gegentor des Turniers. Und das reichte den ohnehin leicht favorisierten Berliner FUmanoids dann leider auch zum Sieg. „Die haben die bessere Ballerkennungs-Software und können über weitere Entfernungen sehen. Das ist ein massiver Vorteil“, sagt Nils. Zwar tauschen sich die Berliner und die Hamburger über den Bau eigener Spieler regelmäßig aus, eingefleischte Berlin-Fans sind die Bit-Bots aber nicht: „Wir ziehen die immer ein bisschen auf, weil die nicht richtig schießen können.“ Nils meint die Beinkonstruktion der FUmanoids, die es nicht erlaubt die Füße zu neigen. Damit können sie zwar besser laufen, beim Abziehen machen sie aber eine schlechte Figur. Offenbar können sich die Berliner das leisten – für den Sieg reichte es ja dennoch.

Im Spiel um den dritten Platz, gegen die Mannschaft vom Mechatronics Research Laboratory (MRL) aus dem Iran, zeigten die Hamburger beim Elfmeterschießen aber nochmal, was ihre Jungs drauf haben. Eigentlich haben die Bit-Bot-Darwins eine selbst geschriebene Elfmeter-Software. Das Programm lässt die Spieler den Ball genau auf den Torwart schießen, weil man darauf hofft, der Ball rolle wegen der meist vorhandenen Bodenunebenheiten um den Torwart herum. Die riskante Taktik geht aber nur auf, wenn das auch wirklich der Fall ist, was die Bit-Bots vorher testen wollten – aber zeitlich nicht mehr hinbekommen haben. Also setzten die Hamburger kurzerhand auf die Feldspieler-Software. Damit läuft der Roboter schräg zum Ball an und „schießt dann eine schöne Bananenflanke aufs Tor“, sagt Nils. Das war eine gute Entscheidung: zwei von vier Schüssen trafen ins Schwarze. Und so landeten die Hamburger trotz schwieriger Bedingungen mit einem 2-zu-0-Sieg auf dem dritten Platz.

Mit einem dritten Platz wollen sie sich bei den aktuell noch laufenden German Open in Magdeburg aber nicht zufrieden geben. Ob Hambot hier ins Geschehen eingreifen konnte – und wie die Bit-Bots mit dem deutlich weicheren Kunstrasen in Magdeburg zurechtgekommen sind, lest ihr in Kürze im nächsten Turnierbericht. Wir drücken jedenfalls die Daumen, so fest wie wir können!

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