So böse kann Getreide sein

Achtung, jetzt kommt eine Floskel: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Wobei es in diesem Fall weniger um Worte als um Röcheln geht: Für die Illustrationen zu “Die Saat des Bösen” holten wir uns Inspirationen bei der Zombie-Graphic Novel “The Walking Dead”. Ein Werkstattbericht.

Wie illustriert man ein abstraktes Wissenschaftsthema wie Glutenunverträglichkeit? Während ich noch denke: „Am besten gar nicht“, haben Dahm und Dilba bereits eine Idee: „Uns schwebt da vom Stil her so etwas wie die ‚Walking Dead‘-Comics vor.“ Wer die Reihe nicht kennen sollte: Untote raffen die Weltbevölkerung dahin, nur einige Versprengte überleben, rotten sich in Gruppen zusammen und kämpfen um ihre Existenz. Zwischendurch gibt es Zwischenmenschliches. Viel davon. Gediegen aufgemalt, vorwiegend in schwarz-weiß.

Kein normaler Mensch denkt bei Brot und Getreide an den Weltuntergang. Bei Substanz denken sie an Zombies und das Ende der Zivilisation.

Um die diffuse Angst einzufangen, die Ernährungsbewusste vor glutenhaltigen Lebensmitteln haben, sollen die Illustrationen zu Linda Geddes’ „Die Saat des Bösen“ also an postapokalyptische Szenarien angelehnt sein. Alltägliches soll mysteriös und gefährlich daherkommen. Das kann dann zum Beispiel so aussehen:

Die ersten Skizzen für meine Arbeit entstehen meistens schon während der Layout-Sitzungen. Während die muntere Runde sich in immer abstrusere Vorstellungen versteigt, kritzele ich auf meinem Block herum. Zuhause sammele ich dann weitere Assoziationen und fange an mit dem Skizzieren. Als bekennender Perfektionist stellt sich für mich immer die Frage: An welchem Punkt will ich mein Werk zeigen?

Beim Brainstorming für das Titelbild brechen dann alle Dämme, Assoziationen von Konkreisen bis zu Stephen Kings “Children Of The Corn” werden in den Raum geworfen. Schnell sind wir bei der Idee vom einsamen Mann im Weizenfeld, der dem Betrachter mysteriös den Rücken zuwendet. Oh, und wenn sich ein bisschen was bewegen könnte, das wäre doch cool! Etwas, das die Stimmung der Szenerie unterstreicht.

Hier kürze ich etwas ab, weil nun die Layout-Runde eine gefühlte Stunde darüber diskutierte, ob es mysteriöser wäre, wenn sich die Ähren im Wind wiegen oder die dunklen Wolken am Himmel entlang ziehen. Salomonisches Ende der Diskussion: Ist beides geil, entscheide du, Ole. Es wurden die wiegenden Ähren (kann man hier leider nicht sehen – mit all den Effekten ist “Saat des Bösen” ein Sonderformat, das Ihr in in der Rubrik Labor findet.)

Und während man so vor sich hinarbeitet, kommt man irgendwann zu dem Schluss, dass sich vielleicht wirklich jedes Thema als Endzeit-Comic umsetzen lässt. Für den nächsten Substanz-Beitrag – egal, wovon er handelt – schwebt mir daher das fehlgeschlagene Experiment eines verrückten Wissenschaftlers vor, bei dem etwas sehr sehr Großes mit sehr, sehr vielen Tentakeln entsteht. Wird geil!